Algenbefall im Aquarium

Das leidige Thema Algen ist ja ein Dauerbrenner. Ich habe jetzt Methoden zusammengestellt, die Algen das Leben sehr schwer machen können, bzw. dazu führen, dass sie aus dem Aquarium verschwinden.

Um welche Algen es sich handelt ist im Grunde immer zweitrangig. Die Art der Algen macht lediglich Aussagen über Möglichkeiten der Pflegefehler. Es ist in allen Fällen ein Ungleichgewicht der Nährstoffe oder des Lichtbedarfs. Es gilt dieses Gleichgewicht so herzustellen, dass die Aquarienpflanzen begünstigt und die Algen benachteiligt werden. In einem "unkontrollierten" Aquarium wird sich das Gleichgewicht auf Dauer immer so einstellen, dass die Algen gut damit leben können. Sie treten letztendlich in einem Maß auf, dass die Aquarienpflanzen geschädigt werden und absterben. Dieser Vorgang muss umgekehrt werden.

Alle Algen haben gemein, dass sie ihre Nährstoffe dem Aquariumswasser entziehen. Besonders Nitrat und Phosphat trägt zu ihrer raschen Vermehrung bei. Auch zu helles Licht kann Algenwuchs anregen. Es kommt dabei besonders auf die Zusammensetzung des Lichtes an. Besonders die Leuchtstoffröhren, die die Farben der Fische betonen, sind auch meistens den Algen nützlich.

Das Hauptproblem ist meistens, dass man sich für das Aquarium nur zeitweise intensiv interessiert und an vielen anderen Tagen eben nur die Fische füttert.

Ich habe nach folgendem Schema alle Algen aus meinem Aquarium herausbekommen und auch aus anderen Becken schon oft dauerhaft beseitigt.

Ich würde zu folgender Vorgehensweise in allen Füllen raten.

1.) Es sollten zunächst möglich viele Algen aus dem Becken entfernt werden. Es bringt wenig, Steine herauszunehmen und abzubürsten, da letztendlich massenweise Algensporen den Steinen anhaften. Besser ist es, die Steine herauszunehmen und mit kochendem Wasser kurz zu übergießen. Dadurch werden alle Algen abgetötet. Pflanzen, die im Kampf gegen Algen eine besondere Rolle spielen, sollen nur entfernt werden, wenn die überwiegende Blattfläche durch Algen belegt ist, die nicht entfernt werden können. Es sollte möglichst viel Blattfläche der Pflanzen erhalten bleiben.

2.) Durch einen Wasserwechsel wird der Nitratwert auf unter 50mg/l gebracht. In manchen Aquarien ist so viel Nitrat im Wasser, das das Wasser mehrmals zur Hälfte ausgetauscht werden muss. Der Nitratwert muss gemessen werden. Der Phosphatwert kann gemessen werden, muss aber nicht, da er durch den Wasserwechsel sicherlich unter signifikante Größen abfüllt. Der Nitratwert wird durch kleinere, tägliche Teilwasserwechsel dauerhaft unter 50mg/l gehalten. Die Nährstoffe (Nitrat und Phosphat, Kalium) sind jetzt noch im Wasser für die Pflanzen ausreichend vorhanden, aber die Algen müssen auf ihr üppiges Überangebot verzichten, was sie mit verhaltener Vermehrung quittieren. Das Wasser, das dem Aquarium entnommen wird eignet sich bestens als Gießwasser für alle Pflanzen. Es enthüllt bereits Dünger.

3.) Der Eisengehalt wird in Abständen gemessen. Er sollte bis alle Algen verschwunden sind, 0,1mg/l nicht unterschreiten. Gegebenenfalls wird nachgedüngt. Das hat den Sinn, den erwünschten Pflanzen insgesamt genug Nährstoffe (Phosphat, Nitrat und Eisen) zur Verfügung zu stellen, um sie zu stabilisieren. Die Aquarienpflanzen übernehmen jetzt in ihrer definierten Umgebung gewissermaßen die Rolle der Soldaten gegen die Algen. Sie werden andere Nährstoffe, Mineralien, Spurenelemente dem Wasser entnehmen und somit den Algen entziehen. Auf diese Weise wird das gesunde Gleichgewicht wieder hergestellt. Im Besonderen nützlich kann eine CO2-Dosierung sein. Sie fördert den Pflanzenwuchs ungemein. Wer sich schon immer mehr Pflanzen im Aquarium gewünscht hat, sollte sie sich jetzt anschaffen. Besonders algenschädlich sind die schnellwachsenden Arten. Es sind schnellwachsende Arten mit geringem Lichtbedarf zu bevorzugen. Besonders interessant sind Schwimmpflanzen. Sie verdunkeln den Algen den Lebensraum und befinden sich selbst im hellen Licht. Dadurch wird ihre Assimilation angeregt, was sich sehr stark gegen Algen auswirkt.

4.) In Aquarien in denen die Fische ihr Futter von der Oberfläche aufnehmen, können algenfressende Welse eingesetzt werden. Einer der fleißigsten Algenfresser ist der Gibbiceps, der sich mit allen anderen Fischen verträgt, allerdings sehr groß? werden kann. Er kann lange Fadenalgen nicht abweiden, aber die Kurzformen nachwachsender Algen werden angenommen. Alle Welse bevorzugen das Futter, dass die anderen Fische auch bekommen. Wenn sie daran gelangen können, werden die Algen vernachlässigt. Es sollte nur so viel gefüttert werden wie von den Tieren benötigt und in kürzester Zeit angenommen wird. Ein Überangebot ernährt in der Hauptsache die Algen.

5.) Die Beleuchtungsstärke wird zurückgenommen. Damit ist die Helligkeit gemeint und nicht die Beleuchtungsdauer. Algen sind vor den Aquarienpflanzen satt, den Pflanzen ist eine längere Beleuchtungsdauer förderlich. Am besten sind 12-14 Stunden. An einem Tag in der Woche bleibt das Licht aus, und die Fische erhalten kein Futter, damit geschädigte Algen sich nicht mehr erholen können. Die normalen Pflanzen werden dadurch nicht geschädigt, sie bestehen solche Tage mühelos. Ich persönlich empfehle alle speziellen Aquarienlampen durch gewöhnliche Kaltlichtröhren zu ersetzen. Die Lichtfarben, die Fischfarben schön zur Geltung bringen sind für Algen nützlich. Das ist leicht verständlich. Die Fische haben sich während ihrer Evolution an die gegebenen angepasst, um gut und imponierend auszusehen. Die Algen haben sich in der gleichen Umgebung entwickelt und an die gleichen Lichtverhältnisse angepasst. Es ist ja immerhin möglich, zum Betrachten der Fische eine "Aquarienröhre" dazu zuschalten und bei Abwesenheit nur eine Kaltlichtröhre eingeschaltet zu lassen.


6.) Die anaerobe und fakultativ anaerobe Kultur im Becken sollte unterstützt werden. Das sind Bakterien, die für Algen lebensnotwendige Nährstoffe zerstören können. Sie können allerdings nur dort leben und arbeiten, wo sich kein gelöster Sauerstoff im Wasser befindet. Gut geeignet ist ein Bodengrund aus Quarzsand (Barschaquarium), dessen Ruhe nicht allzu oft gestört werden sollte. Der Bodengrund sollte auf jeden Fall über 5cm hoch aufgeschüttet sein. Es gibt auch die Möglichkeit durch extrem geringe Durchflüsse in einem zusätzlichen Filter, diese Mikroorganismen zu nutzen. Das Filtervolumen muss aber sehr hoch sein, die Durchströmen gering. 200l Aquarium zum Beispiel ca.10l Filtervolumen und 5-7 l/h Durchströmen. Von der Firma Schott gibt es Ringe aus Siporax, einem gesinterten Glas, das derart feine Kapillaren besitzt, das diese Mikroorganismen sich dort ansiedeln können. Wegen der geringen Wasserbewegung in den feinen Kanälen durfte stellenweise kaum noch Sauerstoff enthalten sein.

7.) Falls Luft in das Becken eingeperlt werden muss, sollte diese so weit zurückgenommen werden, wie es die Fische verkraften können. Durch das Einperlen wird CO2 dem Wasser "ausgestrippt", das begünstigt das Gleichgewicht in Richtung zu den Algen. Der Filterauslauf sollte unter Wasser erfolgen. Im Idealfall versorgen die Pflanzen das Becken ausreichend mit Sauerstoff – das ist jedenfalls der erstrebenswerte Zustand.

8.) In Barschbecken ohne Pflanzen helfen alle diese Tricks fast nichts. Hier kann ein Oxidautor angewendet werden, der die Algen sehr schnell vernichtet. Er arbeitet mit Wasserstoffsuperoxyd. Das funktioniert zwar auch im bepflanzten Aquarium, schädigt aber die Pflanzen in gleichem Masse. Zunächst würden so zwar Erfolge verbucht, aber die Pflanzen wären später geschwächt und könnten ein gesundes Gleichgewicht nicht aufrecht erhalten.